
Take a swig of that poison
Gedanke auf Probe
Ich erinnere mich an die kaputten Straßen. An die kranken Hunde mit dem zerfetzten Fell und dem flehenden Blick in Ruhe gelassen zu werden. Einen Tag später war an der selben Stelle der bloße Gedanke übrig.
Ich erinnere mich an die Katze, die sich unter meinem langen Rock versteckte. Vor Kindern, die sich an ihr ausprobierten.
Das war kein gefälschtes Drama. Nur im Hintergrund etwas Musik und gemachtes Licht.
Trotzdem wusste ich dort, wofür ich aufstehe.
Und seine Tränen auf meinem Arm. In einem flüchtigen Moment solch eine Offenbarung. Gut, dass wir in diesen Sekunden festhielten. Da wusste ich, besser nicht aufzustehen.
Ein Mann, dessen Augen verstehen. Und manchmal… bloß verstehen wollen. Das Alter verbirgt keine Ängste. Sie werden zu trägen Schmerzen. Einfach so.
Und jede Sekunde trifft man die Entscheidung, wie stark man gerade sein will.
Manchmal entscheidet man aber auch Monate später wie stark man in einem bestimmten Moment war. Und wie sehr Anblicke uns getroffen haben. Sie tauchen einfach wieder auf. Nur dass man das Licht jetzt selbst macht. Kein Drama. Das war es wert. Nicht wahr?
34 Sekunden
Mein bestes Stück. Dir widme ich. Viele 34 Sekunden. Auf dass diese niemals aufhören. Auf dass du nie aufhörst an mich zu denken. Mich in deinem Herzen zu hüten und zu bewahren. Wozu wir eben neigen.
34 Sekunden, die entscheiden. Ob ich es sage oder es sein lasse. Ob du ruhig bist und ich es erwarte. Ob ich mich von dir abwende oder dir deine Wange streicheln möchte.
Wenn Realitäten verschwimmen. Wenn sie mich bis zur Ohnmacht bringen. Wenn sie die Zeit stillen. Und sie das Bewusstsein auf sich gestellt lassen.
Meine 34 Sekunden gehören dir. Auf dass wir sie unser Leben lang bewahren.
Enjoy yourself
Allergie
Was war das Gute am Älterwerden?
Die Zeit wird knapper und vielleicht lässt man sich die falschen Dinge offen und ungewiss.
Früher wusste man vielleicht doch alles besser.
Nach drei Tagen kann eine anfängliche Affäre schon ihr Ende finden. Weil man keine Zeit zu verschwenden hat. Sobald etwas schlechtes passiert, sagt man sich und dem Gegenüber, dass es doch besser dabei bleiben soll und man ja gucken kann was daraus wird. Und schon war es das. Es ist aus.
Ach ja, die Verschmelzung von illusionierter Kontrolle und dem Glauben an Sicherheiten. Stimmt. Warum sollte man sich etwas vormachen. Du kannst mir keine Sicherheit geben. Das musst du mir nicht noch einmal unter die Nase binden, dass du nicht weißt, was in fünf Jahren oder morgen sein wird. Aber das habe ich nicht gefragt. Hör genau hin. Höre weiter als das was ich sage.
Dann ist ja alles gut. Dann ist ja alles sinnlos. Ist das also gut?
Reife kann man nicht kaufen. Die Welt dreht sich im Magen um. Muss das denn ausgerechnet in meinem sein? Von allen Gesetzen dieser Erde um mich herum weiß ich immer noch nicht, welches davon mich befreit.
Und wie war das mit dem Älterwerden?
Nur weil man sich schneller findet, heißt das noch lange nicht, dass man das richtige Ich gefunden hat.
not yet
Was passiert ist, kann ich genau sagen. Sowohl, dass ich mir im Unklaren darüber bin, wie es dazu gekommen ist, als auch, dass ich in jenen Momenten bewusst gehandelt habe. Mit Gefühlen, die wohl und übel zu meiner Person gehören. Jawohl, vielleicht war ich aufgebracht. Vielleicht bin ich auch jetzt noch sehr verletzt. Das könnte man an den schlechten Träumen und dementsprechend am schlechten Schlaf festmachen. Und ja, aus Liebe.
Als normal kann man zurzeit lediglich eine Person in meinem Umfeld bezeichnen. Und das ist genau die Person, an die ich mich momentan festhalte. Das Gefühl zu haben, dass sich alles verliert und verirrt mag ich nicht mehr. Es ist mir schlichtweg zu blöd. Und zu anstrengend. Diese Person sorgt dafür, dass ich mich wohl fühle. Sie ist es, die mich abhält und die mich zulässt. So, wie es gerade gut ist. Allerdings kann von einer Ebene keine Rede sein. Dafür wurde zu viel erfahren, zu viel gelebt. Und manchmal glaube ich, so reif man in jungen Jahren sein mag, Ahnung davon, was der andere redet, hat man doch wirklich nur selten. Die Ahnung, die nie ausgesprochen wird. Die Teil der Menschenkenntnis und Teil eines jeden Selbst ist. Geheimnisvoll, nur wenn es erwünscht oder Zufall ist. Tiefgang ist es. Aber auch nur dann, wenn es als solches wahr genommen und gespiegelt wird.
Und ja: Ohnmacht und Stärke sind erlaubt. Und dass sich die Ewigkeit blamiert. Und nicht nur sie. Mit ihr die ganze Besessenheit der vorgestellten Freiheit. Manchmal wünschte ich, ich hätte sie nie kennengelernt. Trotz der Verbundenheit, die nie ihre Präsenz verlieren wird.
Another brick in the wall
Keine Annäherung
Vielleicht mit dem Gedanken: Da muss doch noch mehr sein.
Kurz: Es geht um Gedanken, die dazu befähigen, sich für einen Moment endlich zu fühlen. Gedanken, die von Grenzenlosigkeit geführt werden. Ohne Ende. Das einzige, was an der völligen Ohnmacht hindert, ist die eingeschränkte Vorstellungskraft eines jeden Menschen.
Länger: Wieder einmal geht es um das Bewusstsein. Es muss nur darum gehen. Denn,
Wie unterschiedlich nimmt ein Mensch wahr?
Beispielsweise jemand, der an einer Tiefgarage vorbei geht:
- er könnte sich im Kopf ausmalen, was er dort alles erbeuten könnte, wenn er nur das richtige Werkzeug dabei hätte.
- ein anderer beschließt, sich beim nächsten Mal darin zu vergasen.
- der nächste wird darin Sex haben wollen.
- und noch einer, der einfach nur an einer Tiefgarage vorbei geht.
So kontrastvoll und einfallsreich sind Menschen.
Aber es geht um mehr als ein bloßer Gedanke.
Das, was in den Augen gespiegelt wird. Wie tief geht es? Wenn ich dir in deine Augen blicke, was zeigst du mir dann? Und was erlaube ich darin zu sehen?
Letzt und dennoch unendlich steht sie, die Unendlichkeit. Ich selbst beschließe, wann meine Gedanken stoppen. Wann meine Vorstellungskraft der Unendlichkeit nicht mehr ausreicht.
Das Stoppen als Option vor der Ohnmacht zu flüchten. So viele Menschen tun das.
Und wie viele es doch sind, die sich einreden, ihr Leben wert zu schätzen.
Das Wort Leben, wie es so alleine steht. Wie winzig es sich zeigt. Und was es doch alles beinhaltet.
Wie oft dieses Wort undefiniert gebraucht wird.
Bezeichnen wir diese Gedanken und wirre Gefühlswelt als Krise. Das ist fassbarer. Jeder hat eine Vorstellung einer Krise. Eine Art Midlife-Crisis. Nur ist es eben keine Midlife-Crisis. Denn diese setzt in gewisser Weise ein erreichtes Alter voraus. Die Krise, von der hier die Rede ist, ist Alter-unabhängig.
Sie äußert sich in Augenblicken. In Assoziationen
- wenn man einen Vogel fliegen sieht
- wenn man nachts den Mond anblickt
- wenn man in die Straßenbahn steigt
- wenn man einkauft und mit einer Supermarkttüte durch die Straßen läuft
- sie äußert sich an Wertvorstellungen
- an der Freude, die man empfindet und wie sehr man diese versucht festzuhalten
Ist deine Lache herzlich? Wenn nicht, dann lass es.
Kurze Ausschnitte einer Erkenntnis der Existenz einer Unendlichkeit könnten sein, wie oft ein Würfel teilbar ist. Wie klein kann er werden? Wie muss er geteilt werden, um die unendliche Zahl zu überschreiten und noch öfter geteilt werden kann?
Und was ist eigentlich noch alles da?
Ist da noch mehr oder war das alles?
Erschreckend. Interessant. Bereichernd.
Kurzer Ausschnitt einer Auseinandersetzung. Und das ist noch gar nichts.
Gewissheit
Über die Wirklichkeit anzufangen nachzudenken ist es nicht zu spät.
Meine Kindheit war ein Märchen. Eine Wirklichkeit gab es nicht. Ob es sie jetzt gibt…bitte frag mich nicht.
Ein Blick in die Masse. Genauso abrupt kam es über mich. Der Fall. Die Schwäche. Die Last. Die endliche Freude.
Und ich identifizierte mich. Ja, das tat ich. Zu wem man im Laufe seines Lebens Identitäten bezieht, ist unterschiedlich.
Mein Hubert. Er bleibt der Mann. Der Mann ist ein Prinz, den ich nie geküsst habe. Er ist der Kobold, der einem das Leben retten wird.
Er weiß es nicht. Aber in der letzten Sekunde meines Lebens werde ich an ihn denken. Er ist unwirklich. So wie der Rest meiner Welt.
Aber, zu wem man im Laufe seines Lebens Beziehungen aufbaut ist unterschiedlich. Und so läuft das.
Ich schwanke jeden Tag, jeden Tag, und bitte lies deutlich, jeden Tag zwischen meinem Mädchen-Dasein & dem Dasein der wachsenden Frau in mir.
Nicht nur das. Auf meine Authentizität werde ich bis auf den Rest meines Lebens bestehen.
Hinzu kommt, dass meine Lebensfreude sich auf gewisse Momente, wenige Sekunden bezieht. In diesen Augenblicken kann ich sagen, und wirklich, vom Herzen sagen, dass es mir gut geht.
Als Opposition stehen aufrecht die bedrückenden Erkenntnisse. Sie lassen mich nicht am Leben erfreuen. Auch nicht wirklich sein.
Ja und was bleibt. Es bleibt ungreifbar die Liebe.
Man flutet auf dem Strom der Postmoderne in der Hoffnung auf Sicht. Einer imaginären Freiheit. Die sich jemand ausdachte, der zu viel Zeit und zu viel zu Rauchen hatte.
Wo auch immer er war. Es gab ihn. Ihn und die Guten. Die wahren Guten.
Welcher Wirklichkeit begegne ich, wenn ich Menschen nach Wissenden und Nichtwissenden unterscheide? Wie tief greife ich? Oder durchbohre ich nicht einmal die Oberfläche…
Postmoderne
Schläfrig. Gleichzeitig so nüchtern wie schon lange nicht mehr.
Ich schaue aus dem Fenster. In der Hoffnung etwas wahrzunehmen, das mich aus meiner Nüchternheit befreit.
Die Sonne beginnt zu brennen und wirft ihre Glut auf das Haus, das mir gegenüber steht.
Die Leute wissen nicht, dass sie da nicht mehr heraus kommen. Sie werden ersticken.
Gleichgültigkeit. Der Gedanke, der mich in Ohnmacht versetzt, tritt ein. 
Das Haus fängt an zu brennen. Das Feuer wirft Licht bis in die Unendlichkeit, die ich niemals wahrnehmen werde. Nie in ihrer Vollkommenheit betrachten werde.
Vielleicht nimmt sie jemand wahr.
Es ist zu früh. Die meisten Menschen regen sich noch nicht. Sie träumen von einer Unendlichkeit.
Vielleicht.
Vielleicht träumen sie aber auch gedankenvoll und demütig das Unwiderrufliche.
Die Glut zieht weiter. Nimmt ihren Weg. Wie er vorgegeben ist. Sie verändert ihn nicht.
Eine Frau erscheint am Balkon des brennenden Hauses. Vielleicht springt sie. Vielleicht ist es für sie nicht zu früh.
Sie steht da. Beruhigt. Keine Spur von Demut. In ihrem Blick ein Hauch von Unendlichkeit.
Spott.
Sie drückt ihre Zigarette an der brennenden Wand aus und verschwindet.

