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Another brick in the wall
Gewissheit
Über die Wirklichkeit anzufangen nachzudenken ist es nicht zu spät.
Meine Kindheit war ein Märchen. Eine Wirklichkeit gab es nicht. Ob es sie jetzt gibt…bitte frag mich nicht.
Ein Blick in die Masse. Genauso abrupt kam es über mich. Der Fall. Die Schwäche. Die Last. Die endliche Freude.
Und ich identifizierte mich. Ja, das tat ich. Zu wem man im Laufe seines Lebens Identitäten bezieht, ist unterschiedlich.
Mein Hubert. Er bleibt der Mann. Der Mann ist ein Prinz, den ich nie geküsst habe. Er ist der Kobold, der einem das Leben retten wird.
Er weiß es nicht. Aber in der letzten Sekunde meines Lebens werde ich an ihn denken. Er ist unwirklich. So wie der Rest meiner Welt.
Aber, zu wem man im Laufe seines Lebens Beziehungen aufbaut ist unterschiedlich. Und so läuft das.
Ich schwanke jeden Tag, jeden Tag, und bitte lies deutlich, jeden Tag zwischen meinem Mädchen-Dasein & dem Dasein der wachsenden Frau in mir.
Nicht nur das. Auf meine Authentizität werde ich bis auf den Rest meines Lebens bestehen.
Hinzu kommt, dass meine Lebensfreude sich auf gewisse Momente, wenige Sekunden bezieht. In diesen Augenblicken kann ich sagen, und wirklich, vom Herzen sagen, dass es mir gut geht.
Als Opposition stehen aufrecht die bedrückenden Erkenntnisse. Sie lassen mich nicht am Leben erfreuen. Auch nicht wirklich sein.
Ja und was bleibt. Es bleibt ungreifbar die Liebe.
Man flutet auf dem Strom der Postmoderne in der Hoffnung auf Sicht. Einer imaginären Freiheit. Die sich jemand ausdachte, der zu viel Zeit und zu viel zu Rauchen hatte.
Wo auch immer er war. Es gab ihn. Ihn und die Guten. Die wahren Guten.
Welcher Wirklichkeit begegne ich, wenn ich Menschen nach Wissenden und Nichtwissenden unterscheide? Wie tief greife ich? Oder durchbohre ich nicht einmal die Oberfläche…
Postmoderne
Schläfrig. Gleichzeitig so nüchtern wie schon lange nicht mehr.
Ich schaue aus dem Fenster. In der Hoffnung etwas wahrzunehmen, das mich aus meiner Nüchternheit befreit.
Die Sonne beginnt zu brennen und wirft ihre Glut auf das Haus, das mir gegenüber steht.
Die Leute wissen nicht, dass sie da nicht mehr heraus kommen. Sie werden ersticken.
Gleichgültigkeit. Der Gedanke, der mich in Ohnmacht versetzt, tritt ein. 
Das Haus fängt an zu brennen. Das Feuer wirft Licht bis in die Unendlichkeit, die ich niemals wahrnehmen werde. Nie in ihrer Vollkommenheit betrachten werde.
Vielleicht nimmt sie jemand wahr.
Es ist zu früh. Die meisten Menschen regen sich noch nicht. Sie träumen von einer Unendlichkeit.
Vielleicht.
Vielleicht träumen sie aber auch gedankenvoll und demütig das Unwiderrufliche.
Die Glut zieht weiter. Nimmt ihren Weg. Wie er vorgegeben ist. Sie verändert ihn nicht.
Eine Frau erscheint am Balkon des brennenden Hauses. Vielleicht springt sie. Vielleicht ist es für sie nicht zu früh.
Sie steht da. Beruhigt. Keine Spur von Demut. In ihrem Blick ein Hauch von Unendlichkeit.
Spott.
Sie drückt ihre Zigarette an der brennenden Wand aus und verschwindet.
I never pray but tonight you are on your knees yeah
Flüchtig
Es gibt keinen Spiegel, der dich zeigt.
In der Position bist ausschließlich du.
Der Orientierungspunkt für jeden begegnenden Menschen und gleichzeitig jemand, der nichts ist.
Absolut nichts.
Dieser Fähigkeit, nichts zu sein, bewusst zu werden.
Zu sein.
Über diesen Schritt, diesen Gedanken zu stolpern, sich bereichern zu lassen und dann zu sein.
Großartig.
Ohnmacht.
Vorübergehende Schwäche.
Du weißt, dass sie vergeht. Dennoch musst du sie erleben.
Du spürst die Kraft des Universums auf dir, in dir und nimmst sie an.
Dir bleibt nichts anderes übrig, als das.
Macht ergreift dich und du gibst dich dieser.
Was für ein Gefühl.
Du bist ein Mensch, der die fantastische Fähigkeit hat, keiner zu sein.
Jazz
Fortschreitend.
Unwissend über den Grund oder das Sein.
Einfach gehend.
Vergessen, was ein Ziel war.
Der Körper dreht sich. Schraubend. Immer weiter in sich hinein.
Er bohrt sich in das Innere, während die Beine sich weiter bewegen.
Füße schreiten vorwärts.
Der Körper verliert seine Orientierung und lässt sich von den Füßen mitnehmen.
Er ist der Anhalter, der die Gelegenheit braucht. Der den Schnee als Souvenir auf seinen Knien trägt.
Die Arme gleiten auf der Welle und mit ihr in der Luft. Sie wollen fort und viel mehr erreichen, als ihr Körper zulässt.
Der Schrei des Greifvogels ist in ihm. Und er lebt für ihn.
Der Schrei entfacht ein Feuer, das um den Körper herum Lebendigkeit ergreift. Beinahe auch seine.
Das Bewusstsein auf höchstem Niveau.
Jetzt geschieht es.
Der Schrei wird wahr. Enthüllt Wahrheiten. Er existiert.
Der Körper atmet. Der Körper tanzt.
Die Lebendigkeit ist nur das Echo für die Ewigkeit.
So lange, bis sie von niemandem mehr gehört werden möchte.
Nantes
Und so entsetzt es sich. Ich platziere woanders. Und mein Gegenüber überwellt mich. Der größte Blutstau meines Lebens.
Mein Hinterlassen betrifft nur den Nachbarn meines Egos. Der Nachbar als fünfzigjähriger Nichtsnutz. Verschwendung. Sie ähnelt allem, was ich höre. All das, was ich bisher hörte. Und jetzt will ich nicht mehr.
Menschen, mein letzter Wunsch, den ich mir sehnsüchtiger als alles erdenkliche Sonst wünsche, zu meinem Geburtstag, ja, dem Tag, an dem das Unwiderrufliche begann. Das Bewusstsein.
Was ich mir also am meisten wünsche, kein einziges menschliches Wort mehr zu vernehmen. Ihr dürft es für euch behalten. Euer Gefasel hat die Welt mehr als verschlechtert. Und meine Entscheidung steht fest. Außerdem werde auch ich mich von der menschlichen verbalen Sprache verabschieden. Das gesprochene Wort zeigt keinen Wert. Das hat es nie getan. Aber wissen, tue ich gar nichts.
Sich als Aufgabe zu setzen, die Welt zu verändern, entpuppt sich als Dilemma. Sie verwirklichen zu wollen wandelt zum Rückschlag. Einbildung sei die Ausnahme.
Also gehe ich durch die Straßen und rede mir nicht ein mit meinen
Worten etwas zu bewirken. Falls diese jemanden treffen, auf eine interessante, gewöhnliche, vielleicht intelligente Art, okay. Bei mir prallen Worte ab und werden zerstört, wie ein Paketfilter einer Firewall den Müll zerstört, der dort nicht hingehört. Schlicht und ergreifend. Meine Aufgabe war wohl nie diese gewesen.
Stimmen vergehen. Was bleibt sind Erinnerungen an gesagte Dinge in jenem Moment. In dem eigenen Kopf ergeben diese einen Sinn. Sie erfahren eine Bedeutung, die wohl in jedem Menschen anders zu Teil werden.
Und ich behalte dich verkehrt. Sowieso.
Categories: Allgemein
Tags: Entscheidung, Geburtstag, mann, Wunsch
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Wozu brauche ich Ohrringe?
Der Typ reagiert nicht einmal, als ich frage „Und was ist mit mir?“
Worin liegt mein Vorteil bei dieser Affäre, wenn ich nicht einmal komme?
Und das Beste ist, ich sitze durchnässt um fünf Uhr morgens in der Bahn, um pünktlich auf der Arbeit zu erscheinen.
Mein Liebhaber.
Er versprach mir gestern, als ich schon im Bett lag, dass er mich morgen früh zur Bahn begleite, wenn ich die Nacht noch zu ihm käme.
Der Ausgang dieses Dialoges ist das hier.
Ich ersticke an Melancholie. Sie lässt nicht zu. Doch. Sie lässt zu. Viel zu viel sogar.
Sie verursacht mein Verschließen. Sie hält dicht. Bewahrt Ruhe. Mit ihrer großen, geduldigen Gewalt stößt sie in mein Inneres.
Stets einen Spiegel mit sich tragend. Durch diesen ich durchblicken kann. Jetzt gerade. Vor mir.
Manchmal, wenn man Glück hat, lässt dieser Spiegel erkennen. Was auch immer der Dreinblickende zu erkennen beabsichtigt. Aber nicht mehr. Glaubhaftig, auch nicht weniger.
Draußen schneit es. Es ist beinahe Ende März. Aber das interessiert nicht. Was interessiert, ist, dass solche dicken Schneeflocken herabfallen, dass es sich lohnt jetzt wach zu sein.
Ich rede mir ein, die Leute würden tagsüber weniger große Flocken zu Gesicht bekommen.
Irgendetwas Gutes muss mein Tag doch haben.
Ich könnte ewig mit der Bahn fahren. Sie ist leer. Ich bin der einzige Mensch, der sie zu diesem Zeitpunkt benutzt. Sie fährt also nur für mich. Sie existiert, weil ich sie brauche. Keiner würde von ihr reden, säße ich nicht hier drin.
Der Schnee bleibt auf den Autos liegen.
Die Bäckereien machen auf, damit die anderen Menschen an einem Samstagmorgen ihre frisch gebackenen warmen Brötchen kriegen.
Und es schneit weiter.
Als mein Liebhaber und ich am Anfang unserer Begegnung so etwas wie eine Beziehung probierten, befand ich mich auf einer anderen Ebene. Ich schwebte irgendwo ganz weit oben. Über all den anderen hinweg. Vielleicht auch behütet in einer Bahn. Vielleicht ein wenig freier als jetzt. Ja, definitiv freier als jetzt.
Das war, als ich noch nicht wusste, dass er sich nicht in mich verlieben würde. Nie.
Als er mir dies jedoch paar Tage daraufhin gestand, fiel ich das neunfache dessen hinunter, was ich kurz zuvor gestiegen war. Und das ist jetzt einfach aus einer sehr nüchternen Perspektive gesagt.
Er erklärte mir seine Ansichten. Seine Weltanschauung.
Ich kam ins Grübeln.
Dieser Mann, den ich so bewunderte, wie er durch die Welt ging. Standhaft. Männlich. Unabhängig.
Damals war ich fest davon überzeugt, dass er sich nicht nur so geben würde. Er brauchte keine Verliebtheit. Und erst recht keine Liebe. Nicht angewiesen auf Zärtlichkeiten oder Komplimente.
Ich stellte mir die Frage, weshalb ich sie brauchte. Brauchte ich sie denn?
Ich begann, in der Tat, alles in Frage zu stellen.
Verliebtheit wurde für mich zur Heuchlerei. Zur Einbildung. Liebe wurde zur Illusion.
Ich wusste plötzlich nichts mit dem Worten der Zuneigung anzufangen. Wozu waren sie gut, wenn sie doch in vielerlei Hinsicht einschränkten? Wussten die Menschen, was sie da zu sich sagten? Welche Motivation der Benutzung dieser Worte steckte dahinter?
Damals stand mir eine neue Welt bevor. Ausgestoßen von der alten. Hineingedrängt in eine fremde.
Und heute sitze ich hier. Nicht losgelöst von diesem Mann.
Mitten im Widerspruch von geliebtem Mädchen und erlebter Frau.
Zwischen uns ist keine Liebe. Das ist etwas, das ich weiß.
Es schneit immer noch.
Ich hasse Menschen. Ich verabscheue sie.
Mich auch. Manchmal. Jetzt nicht.
Jetzt gerade könnte ich sogar ein besserer Mensch sein, als mein Liebhaber.
Und eigentlich ist es total egal.
Technorati
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