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Das Konzert

Das Leuchten in den Augen begleitet die Menschen, die den Saal vorsichtig, aber aufrecht und konsequent betreten.


Ich lasse mich darauf ein. Ich lasse mich auf die gestellte, vorprogrammierte, Emotionen hervorrufende Situation ein. Sowie alle anderen auch, als sie sich entschieden, diese Konzertkarten zu kaufen.


Trotz des logischen Schemas, liegt die Vorfreude in der Luft. Die Fähigkeit des Menschen, die ihn zu solchem macht.
Sich auf etwas zu freuen, das noch nicht stattfand.
Eine Erwartung, eine Vorbereitung, dass es uns gut gefallen wird. Vielleicht nicht nur, weil die Karten teuer waren.

Vielleicht, weil es ein kurzfristiger Versuch ist, das Geld nicht Teil des Selbst sein zu lassen. Sich dieser Fähigkeit, Mensch zu sein, bewusst zu werden.


Zu was sind meine Sinne in der Lage? Ich will es nicht vergessen. Ich erinnere meinen Körper an sein Können.


Die Kleider der Frauen und die Anzüge der Männer ergeben ein magisches Szenario.
Eines der Gründe, weshalb es keiner bereut, an diesem Ort zu dieser Zeit zu sein.


Elegante Gier. Ausschau nach dem Platz, dem die Menschen sich fügen. Dem sie sich hingeben. Ein wichtiger Bestandteil des Erlebens. Immerhin für einen Teil der Zeit.


Ich sitze auch. Ich beobachte und bin aufgeregt. Aufgeregt, weil ich den Musikern die Chance gebe, mich zu bereichern.


Die meisten Menschen, die ich sehe, reden. Was sie sagen, interessiert mich nicht. Entspannt und zurück gelehnt nehme ich die Dämpfung des Lichtes wahr.

Die Sicherheitsleute stehen wachsam an den Saalausgängen. Sie stehen für Geld. Sie stehen für Rettung. Auch dann, wenn sie dem Zufall ausgeliefert sind, sind sie vorbereitet für den Fall eines negativen Ereignisses. Sie stehen für uns. Ja, auch für mich.


Und der Saal ist gefüllt. Immer noch kommen Leute herein, die in der Dunkelheit zu freien Sitzen hasten. Jetzt wird nicht mehr nach Platznummer gesucht.


In der Mitte des Saales stehen Instrumente, auf denen das meiste Licht der Scheinwerfer fällt. Beabsichtigt. Geplant.


Ich fühle mich gut. Ich mag das gerade sehr hier zu sein. Es ist eine warme und angenehme Atmosphäre.
Keine lauten Menschen. Vielleicht haben sie begriffen, dass sie auch so gehört werden.


Applaus.
Eine Form, die die Vorfreude zum Ausdruck bringt. Eine Form, die Aufregung zurechtzuweisen.


Männer betreten die Bühne. Natürlich sieht das gut aus.


Und es geht los.
Gesang. So schön.
Musik. Berührt.
Gefesselt. Zu Beginn. So, wie es richtig und gut ist.
Ich versuche mich nicht wirklich zu befreien.


Trance.


Tu es mir an! Dafür bin ich hier.Benutze mich. Wie ich es ebenso mit dir wage.
Aber jetzt bist du dran. Ich bin dir erlegen. Du hast mich in diesem Moment. Ich gehöre dir. Und ich tue all das, was du von mir verlangst.
Ich höre dich. Dich als Ganzes. Du bist nicht mehr vier Musiker mit Instrumenten. Du bist Eins.


Deine Stimme, wie sie mich führt. Sie nimmt mich bei der Hand und bringt mich nach Hause. Dir vertraue ich.


Dein Akkordeon. Wie es seine Zungen durchschlägt. Die Zungen, die ihren Weg durch meinen Körper ziehen. Wie sie jeden Teil in mir berühren. So sanft, wie Zungen nur sein können. Danke, dass du mich küsst.


Deine Trompete ertönt. Sie steht aufrecht und befiehlt mir zu knien. Sofort sinke ich. Mein Kopf hängt runter.

Du sagst, ich soll dich ansehen. Also sehe ich dich kniend und immer noch gefesselt an.
Dann schlägst du mich. So zärtlich, dass ich mehr will.

Du triffst mich tief. So tief, dass ich nicht anders kann und schreie.
Ich schreie meine Menschlichkeit heraus. Ich schreie so begierig und erlösend, dass ich anfange zu weinen. Das Weinen befreit jetzt den Rest von mir. Ich weine vor Freiheit. Ich weine. Ich bin vollkommen ergeben.


Das Toben der Menschen wirft mich zu Boden. Der Applaus ist die Peitsche, die mir vergibt. Und ich weine immer noch.


Aufgelöst in nichts. Keine Zugehörigkeit macht mich mehr aus. Keine Stärke ist mehr von einer Schwäche zu unterscheiden.


Und alle Erkenntnisse liegen nackt vor mir. Sie durchstürmen und regenerieren mich. Sie bleiben bei mir und legen ihre warmen Hände auf meine Wange.


Es ist mehr als eine Bereicherung. Es macht mich vollständig.
Ideale sprechen selbst, wenn man sie zu Wort kommen lässt. Das weiß ich jetzt.
Und ich weiß das erste Mal, was lieben bedeutet.


Bevor ich aus dem Saal gehe, wische ich mir die gewärmten Wangen trocken und bedanke mich bei dem Sicherheitsmann, der am Ausgang steht und die geretteten Menschen sich selbst überlässt.

Posted: November 1st, 2009
Categories: Spielerei
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Böhmische Liebe

Ein Tauchen in die Strömung, die der Löffel verursacht. Sie zieht mich zu sich. Meine Augen verlieren ihre Kraft und hangeln sich spiralförmig in sie hinein. Bis sie ihr ganz verfallen. Umrundet von Dunkel und Bitterkeit.

Ich nehme dich auch so. Das weißt du. Du kannst dich geben, wonach dir heute ist. Wonach dir morgen sein wird. Lass es kommen.
Was zählt, ist, dass du bei mir bist. Und du weißt, ich brauche dich nicht. Was du noch weißt, ich passe mich dir genauso wenig an, wie du mir.
Es ist eine Begegnung ohne Worte. Ein Anschauen ohne Widerwillen. Ohne Hingabe. Ohne Verweigerung. Aber leidenschaftlich.

Du ziehst meine Nase nach und nach zu dir hinein. In deinen Strom. Sag mir, woher nimmst du die Kraft? Sie wird in die Länge gezogen, sodass sie ihre Form verliert. Sie ist ein einziger Gummistrang, den man mit einem Fingerschnippen aus ihrer Strömung reißen könnte. Aber es tut niemand. Also zieht sie ihre Bahn. In der Form einer Acht. Bis ihr schlecht wird und sie in den Strudel fällt. Der einzige Beweis dafür ist, dass es ein Mal fast unscheinbar plumpst und sich auf mir wieder findet.

Ja, du siehst dich in mir. An mir. Du wirst fast zu meinem Ich. Wie erkennen uns ineinander. Es ist keine Liebeserklärung. Nein, ich liebe dich nicht. Was du bist, bist du. Ohne mein Einwirken. Du bist vollkommen. Rede es dir ein. Denn für mich bist du es nicht. Ich sehe deine Vollkommenheit nicht.

Aber ich spüre sie. Meine Finger bekommen eine Lebendigkeit. Einen eigenen Willen. Sie erfahren dich. Und sie werden es dir erzählen. Du wirst sie nicht missverstehen. Keine Sorge. Sie sind gut darin. Irgendwann wirst du selbst auch deine Kraft wahr nehmen. Du wirst ebenfalls in einen tiefen Schlaf fallen, der dich treibt. Der dir Wünsche ermöglicht. Der sie erfüllt.

Die Kraft verstärkt sich. Die Strömung ist jetzt unaufhaltsam. Ich bewege mich mit ihr in einem Meer, in dem weder ein Links, noch ein Rechts bedeutet. Es gibt keine Haltemöglichkeit. Meine Hände verlieren ihre Eigenständigkeit. Mein Gehirn ist zu dem Stringfortsatz geworden. Es macht mich schwach. Es macht mich weich. Es macht mich unwirklich. Was ich denke…ich denke…ein Wort…ein Wort kann ich denken…ja, es ist…Irreal.

Ich bin da. Wach. Ja, wieder da. Habe geträumt. Du fragtest, ob ich etwas für meinen Kaffee brauche? Nein. Heute nehme ich ihn, wie er ist. Vielleicht aber morgen mit Milch und Zucker.

neu-1641

Posted: Juli 31st, 2009
Categories: Spielerei
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