News for Juli 2009

Böhmische Liebe

Ein Tauchen in die Strömung, die der Löffel verursacht. Sie zieht mich zu sich. Meine Augen verlieren ihre Kraft und hangeln sich spiralförmig in sie hinein. Bis sie ihr ganz verfallen. Umrundet von Dunkel und Bitterkeit.

Ich nehme dich auch so. Das weißt du. Du kannst dich geben, wonach dir heute ist. Wonach dir morgen sein wird. Lass es kommen.
Was zählt, ist, dass du bei mir bist. Und du weißt, ich brauche dich nicht. Was du noch weißt, ich passe mich dir genauso wenig an, wie du mir.
Es ist eine Begegnung ohne Worte. Ein Anschauen ohne Widerwillen. Ohne Hingabe. Ohne Verweigerung. Aber leidenschaftlich.

Du ziehst meine Nase nach und nach zu dir hinein. In deinen Strom. Sag mir, woher nimmst du die Kraft? Sie wird in die Länge gezogen, sodass sie ihre Form verliert. Sie ist ein einziger Gummistrang, den man mit einem Fingerschnippen aus ihrer Strömung reißen könnte. Aber es tut niemand. Also zieht sie ihre Bahn. In der Form einer Acht. Bis ihr schlecht wird und sie in den Strudel fällt. Der einzige Beweis dafür ist, dass es ein Mal fast unscheinbar plumpst und sich auf mir wieder findet.

Ja, du siehst dich in mir. An mir. Du wirst fast zu meinem Ich. Wie erkennen uns ineinander. Es ist keine Liebeserklärung. Nein, ich liebe dich nicht. Was du bist, bist du. Ohne mein Einwirken. Du bist vollkommen. Rede es dir ein. Denn für mich bist du es nicht. Ich sehe deine Vollkommenheit nicht.

Aber ich spüre sie. Meine Finger bekommen eine Lebendigkeit. Einen eigenen Willen. Sie erfahren dich. Und sie werden es dir erzählen. Du wirst sie nicht missverstehen. Keine Sorge. Sie sind gut darin. Irgendwann wirst du selbst auch deine Kraft wahr nehmen. Du wirst ebenfalls in einen tiefen Schlaf fallen, der dich treibt. Der dir Wünsche ermöglicht. Der sie erfüllt.

Die Kraft verstärkt sich. Die Strömung ist jetzt unaufhaltsam. Ich bewege mich mit ihr in einem Meer, in dem weder ein Links, noch ein Rechts bedeutet. Es gibt keine Haltemöglichkeit. Meine Hände verlieren ihre Eigenständigkeit. Mein Gehirn ist zu dem Stringfortsatz geworden. Es macht mich schwach. Es macht mich weich. Es macht mich unwirklich. Was ich denke…ich denke…ein Wort…ein Wort kann ich denken…ja, es ist…Irreal.

Ich bin da. Wach. Ja, wieder da. Habe geträumt. Du fragtest, ob ich etwas für meinen Kaffee brauche? Nein. Heute nehme ich ihn, wie er ist. Vielleicht aber morgen mit Milch und Zucker.

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Posted: Juli 31st, 2009
Categories: Spielerei
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Hübsch

Es handelt sich um Sekunden. Es ist die Dauer eines Augenschlags, in der der Körper fremd erscheint. Ich bewege meine Zehe, um zu sehen, ob ich lebe. Ich versichere mich mit Muskelbewegungen, ob ich die Fähigkeit dazu noch besitze.
Kurze Entspannung. Dass alles so weit funktioniert.
Ich bin jetzt wieder in meinem Körper. Ja, manchmal verliere ich mich selbst.
Aber jetzt gerade nicht.
Ich sitze in einem Seminarraum mit Studenten. Es ist quälend jetzt und hier zu sitzen.
Ungeduld verbreitet sich in meinem Körper. Der Raum ist voll mit Stühlen, auf denen dicke, knochige oder unbedeutende Ärsche verweilen. Einen Moment verweile ich mit ihnen. Aber nicht länger als das.
Ich spiele mit meiner Zunge in meinem Mund. Versuche meine Zähne zu bewegen. Sie bleiben stur.
Und plötzlich geschieht es. Sie fallen alle nach und nach heraus. Ohne sich zu wehren verlieren sie ihre Kraft und stürzen in das begrenzte Dunkle meines Mundes.
Ich muss etwas tun. Aber was?
Ich stehe auf. Springe über Stühle und Menschen, die mir den Ausweg erschweren. Laufe aus dem Raum. Entfliehe dem Seminar. Versuche die vergangenen Sekunden einzuholen, um sie zu nichte zu machen.
Meine Zähne. Völlig normal lösten sie sich. Als wenn es der Verlauf ihres Lebens gewährt und bestimmt.
Ich habe keine festen Zähne mehr in meinem Mund. Wohin mit den losen?

Ich bin draußen. Atme so viel Luft durch die Nase, dass ich kurz davor bin meinen Mund zu öffnen, um noch mehr Luft einzuholen. Ich beruhige mich langsam.
Erst jetzt spüre ich das Weiche meines Zahnfleisches. Es ist abartig. Durch die Stellen fehlender Zähne stößt plötzlich das Gefühl meiner Kindheit in Erinnerung. Ich durchlebe es jetzt nach Jahren wieder.
Ich bin völlig klar.
Leute gehen an mir vorbei. Unwissend darüber, dass mein ganzer Mund mit losen Zähnen gefüllt ist.
Es sind so viele Menschen unterwegs. Ich kann die Zähne noch nicht ausspucken. Ich schmecke Blut und kann nicht sagen, wie viel Blut es ist.
Ich gehe auf die Universitätstoilette. Ganz ruhig warte ich circa zwei Minuten, bis ich dran bin.
Jetzt spucke ich. Und das erste Mal sehe ich, was ich die ganze Zeit in meinem Mund bewahrte. Vor was eigentlich? Mich selbst bewahrte ich vor dem Anblick, der mir in diesem Moment in die Augen sticht. Ich übergebe mich. So heftig, dass ich fest daran glaube, mich jetzt völlig aufzulösen.
Ich höre Stimmen, die irgendwas mit „alles ok“ fragen. Ich bringe ein verstörtes „ja“ heraus.
Mädels, was soll ich euch denn erzählen..

Ich warte bis ich keine Stimmen mehr höre. Als ich die Tür öffne, stehen trotz der Stille drei Mädchen vor mir. Mit solch einem entsetzten Blick, dass ich fast anfangen muss zu lachen.
Dies ist wirklich das absurdeste Erlebnis, das ich je hatte.
Mit einem flüchtigen Lächeln wasche ich mir die Hände und mein Gesicht.
Als ich gehen will, überlege ich kurz, ob ich die drei Mädels nicht vollkommen abschrecken soll, indem ich beim Vorbeigehen meinen zahnlosen Mund zeige. Ich schmunzle, erhebe meinen Kopf und gehe, ohne es zu tun, aus der Mädchentoilette.
Ich gehe durch die Straßen, als hätten sich die letzten Minuten nicht zugetragen.
Ich denke auch, ob ich gleich verschlafen und verschreckt aufwache und immer noch im Seminar sitze. Und mich die Studenten auslachen, weil ich geschnarcht habe oder gezuckt habe im Schlaf. Aber gleichzeitig intensiviert sich der Blutgeschmack und das zahnlose Fleisch in meinem Mund wird zum normal gegenwärtigen Stück meines Organismus’.

Posted: Juli 17th, 2009
Categories: Absurdität
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Technorati

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Posted: Juli 16th, 2009
Categories: Allgemein
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Einstein

Sie raucht eine Zigarette.
Sie fühlt sich hübsch. Heute.

In ihren Gedanken ist alles klar. Es läuft seinen Weg. Die Zeit bewegt. Sie bewegt das Mädchen. Und sie weiß, sie ist kein Mädchen mehr. Dieses Mädchen hat zu viel gelebt, um eines zu sein. In ihr findet man keine Unschuld mehr. Sie ist geprägt von Umständen. Welche sie haben sehen lassen. Welche sie haben erleben lassen.

Sie drückt die Zigarette aus. Sieht sich im Spiegel. Es ist nichts wert. Ihre langen Haare. Welche genauso gut kurz sein könnten. Es bedeutet nichts. Nicht für sie.

Ihre Gedanken ziehen nach oben. Sie gehen aus ihrem Körper hinaus. Sie selbst geht aus ihrem Körper heraus. Und sie sieht sich von oben. Sie ist jetzt so weit oben, dass sie sich nicht mehr erkennt. Sodass sie nur noch erahnen kann, welchen Punkt sie gerade darstellt. Auf welchem Fleck ihr sogenanntes Zuhause steckt. In welchem sie ihre Lebenszeit verbringt.
Aber das Leben ist unwirklich. Sie findet den Bezug nicht zum Dasein. Was sie ist. Wer. Und wo. Sie könnte gerade die ganze Welt sein. Alles darstellen.

Sie ist ein Baum, der sich im See badet. Ein Teppich, der ausgelegt wird. Sie ist die Zigarette, die sie so eben ausgedrückt hat.
Kein Gefühl des aufrechten Ganges. Kein Gefühl von Sensibilität. Nichts ist rau. Oder weich. Es ist Gummi. Sie knetet sich selbst. Eine Zeit lang. Eine Weile. Dabei denkt sie, wie lange eine Weile sein kann.

Das Wichtigste, was sie in ihrem Leben lernte ist wohl, dass Zeit relativ ist. Sie selbst ist relativ. Relativ jung. Relativ alt. Relativ mädchenhaft.
Sie hat Angst. Keine Panik. Nur Angst. Aber es ist Betrug. Das weiß sie. Nur ein Trugschluss ihrer Existenz. Denn nichts ist wirklich. Sie selbst am wenigsten.

Leute, die sie sehen, erkennen sie. Etwas Irreales. Etwas stimmt nicht. Etwas ist besonders. Etwas scheint wohl unausgesprochen zu sein. Ihr Blick sagt mehr, als  jedes Wort.
In ihr schwinden Träume. Nacht für Nacht. Das, was sich als Kind in ihrer  Vorstellung befand, gibt es so nicht mehr. Die Frau, die sie gedacht hat zu werden. Sie ist es nicht. Die Frau, die sie sein sollte. Erwartungen haben sich ergeben. Sie  liegen weiß unter ihr begraben. Mit ihren Flügeln deckt sie sich heute noch zu.
In ihrem Blick kann man lesen, dass sie nicht mehr existiert. Sie schwebt. Sie ist  nicht da. Obwohl sie gesehen wird.

Leute werden verfolgt von Irritationen, wenn das Mädchen an ihnen vorbei geht.  Sie werden sich erinnern. An einen Blick, der wusste. An einen Menschen, der nie geboren wurde.  An eine Welt, die verdammt ist, fremd zu sein. Sie werden niemals wissen.Sie werden niemals die Wirklichkeit sehen, die es nicht gibt.

Eine junge Frau.

Sie zündet sich eine Zigarette an. Geht in die Richtung ihrer Schublade. Findet keine Geborgenheit. Sie ist nicht mehr oder weniger als das. Aber auch das ist sie nicht.
Es hat keinen Wert. Werte stehen nebeneinander. Nicht nur in der Unwirklichkeit.
Aber was weiß sie schon. Vielleicht, dass Zeit relativ ist.

Posted: Juli 3rd, 2009
Categories: IrRationalität
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