Ein Tauchen in die Strömung, die der Löffel verursacht. Sie zieht mich zu sich. Meine Augen verlieren ihre Kraft und hangeln sich spiralförmig in sie hinein. Bis sie ihr ganz verfallen. Umrundet von Dunkel und Bitterkeit.
Ich nehme dich auch so. Das weißt du. Du kannst dich geben, wonach dir heute ist. Wonach dir morgen sein wird. Lass es kommen.
Was zählt, ist, dass du bei mir bist. Und du weißt, ich brauche dich nicht. Was du noch weißt, ich passe mich dir genauso wenig an, wie du mir.
Es ist eine Begegnung ohne Worte. Ein Anschauen ohne Widerwillen. Ohne Hingabe. Ohne Verweigerung. Aber leidenschaftlich.
Du ziehst meine Nase nach und nach zu dir hinein. In deinen Strom. Sag mir, woher nimmst du die Kraft? Sie wird in die Länge gezogen, sodass sie ihre Form verliert. Sie ist ein einziger Gummistrang, den man mit einem Fingerschnippen aus ihrer Strömung reißen könnte. Aber es tut niemand. Also zieht sie ihre Bahn. In der Form einer Acht. Bis ihr schlecht wird und sie in den Strudel fällt. Der einzige Beweis dafür ist, dass es ein Mal fast unscheinbar plumpst und sich auf mir wieder findet.
Ja, du siehst dich in mir. An mir. Du wirst fast zu meinem Ich. Wie erkennen uns ineinander. Es ist keine Liebeserklärung. Nein, ich liebe dich nicht. Was du bist, bist du. Ohne mein Einwirken. Du bist vollkommen. Rede es dir ein. Denn für mich bist du es nicht. Ich sehe deine Vollkommenheit nicht.
Aber ich spüre sie. Meine Finger bekommen eine Lebendigkeit. Einen eigenen Willen. Sie erfahren dich. Und sie werden es dir erzählen. Du wirst sie nicht missverstehen. Keine Sorge. Sie sind gut darin. Irgendwann wirst du selbst auch deine Kraft wahr nehmen. Du wirst ebenfalls in einen tiefen Schlaf fallen, der dich treibt. Der dir Wünsche ermöglicht. Der sie erfüllt.
Die Kraft verstärkt sich. Die Strömung ist jetzt unaufhaltsam. Ich bewege mich mit ihr in einem Meer, in dem weder ein Links, noch ein Rechts bedeutet. Es gibt keine Haltemöglichkeit. Meine Hände verlieren ihre Eigenständigkeit. Mein Gehirn ist zu dem Stringfortsatz geworden. Es macht mich schwach. Es macht mich weich. Es macht mich unwirklich. Was ich denke…ich denke…ein Wort…ein Wort kann ich denken…ja, es ist…Irreal.
Ich bin da. Wach. Ja, wieder da. Habe geträumt. Du fragtest, ob ich etwas für meinen Kaffee brauche? Nein. Heute nehme ich ihn, wie er ist. Vielleicht aber morgen mit Milch und Zucker.

Posted: Juli 31st, 2009
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Es handelt sich um Sekunden. Es ist die Dauer eines Augenschlags, in der der Körper fremd erscheint. Ich bewege meine Zehe, um zu sehen, ob ich lebe. Ich versichere mich mit Muskelbewegungen, ob ich die Fähigkeit dazu noch besitze.
Kurze Entspannung. Dass alles so weit funktioniert.
Ich bin jetzt wieder in meinem Körper. Ja, manchmal verliere ich mich selbst.
Aber jetzt gerade nicht.
Ich sitze in einem Seminarraum mit Studenten. Es ist quälend jetzt und hier zu sitzen.
Ungeduld verbreitet sich in meinem Körper. Der Raum ist voll mit Stühlen, auf denen dicke, knochige oder unbedeutende Ärsche verweilen. Einen Moment verweile ich mit ihnen. Aber nicht länger als das.
Ich spiele mit meiner Zunge in meinem Mund. Versuche meine Zähne zu bewegen. Sie bleiben stur.
Und plötzlich geschieht es. Sie fallen alle nach und nach heraus. Ohne sich zu wehren verlieren sie ihre Kraft und stürzen in das begrenzte Dunkle meines Mundes.
Ich muss etwas tun. Aber was?
Ich stehe auf. Springe über Stühle und Menschen, die mir den Ausweg erschweren. Laufe aus dem Raum. Entfliehe dem Seminar. Versuche die vergangenen Sekunden einzuholen, um sie zu nichte zu machen.
Meine Zähne. Völlig normal lösten sie sich. Als wenn es der Verlauf ihres Lebens gewährt und bestimmt.
Ich habe keine festen Zähne mehr in meinem Mund. Wohin mit den losen?
Ich bin draußen. Atme so viel Luft durch die Nase, dass ich kurz davor bin meinen Mund zu öffnen, um noch mehr Luft einzuholen. Ich beruhige mich langsam.
Erst jetzt spüre ich das Weiche meines Zahnfleisches. Es ist abartig. Durch die Stellen fehlender Zähne stößt plötzlich das Gefühl meiner Kindheit in Erinnerung. Ich durchlebe es jetzt nach Jahren wieder.
Ich bin völlig klar.
Leute gehen an mir vorbei. Unwissend darüber, dass mein ganzer Mund mit losen Zähnen gefüllt ist.
Es sind so viele Menschen unterwegs. Ich kann die Zähne noch nicht ausspucken. Ich schmecke Blut und kann nicht sagen, wie viel Blut es ist.
Ich gehe auf die Universitätstoilette. Ganz ruhig warte ich circa zwei Minuten, bis ich dran bin.
Jetzt spucke ich. Und das erste Mal sehe ich, was ich die ganze Zeit in meinem Mund bewahrte. Vor was eigentlich? Mich selbst bewahrte ich vor dem Anblick, der mir in diesem Moment in die Augen sticht. Ich übergebe mich. So heftig, dass ich fest daran glaube, mich jetzt völlig aufzulösen.
Ich höre Stimmen, die irgendwas mit „alles ok“ fragen. Ich bringe ein verstörtes „ja“ heraus.
Mädels, was soll ich euch denn erzählen..
Ich warte bis ich keine Stimmen mehr höre. Als ich die Tür öffne, stehen trotz der Stille drei Mädchen vor mir. Mit solch einem entsetzten Blick, dass ich fast anfangen muss zu lachen.
Dies ist wirklich das absurdeste Erlebnis, das ich je hatte.
Mit einem flüchtigen Lächeln wasche ich mir die Hände und mein Gesicht.
Als ich gehen will, überlege ich kurz, ob ich die drei Mädels nicht vollkommen abschrecken soll, indem ich beim Vorbeigehen meinen zahnlosen Mund zeige. Ich schmunzle, erhebe meinen Kopf und gehe, ohne es zu tun, aus der Mädchentoilette.
Ich gehe durch die Straßen, als hätten sich die letzten Minuten nicht zugetragen.
Ich denke auch, ob ich gleich verschlafen und verschreckt aufwache und immer noch im Seminar sitze. Und mich die Studenten auslachen, weil ich geschnarcht habe oder gezuckt habe im Schlaf. Aber gleichzeitig intensiviert sich der Blutgeschmack und das zahnlose Fleisch in meinem Mund wird zum normal gegenwärtigen Stück meines Organismus’.
Posted: Juli 17th, 2009
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Posted: Juli 16th, 2009
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Sie raucht eine Zigarette.
Sie fühlt sich hübsch. Heute.
In ihren Gedanken ist alles klar. Es läuft seinen Weg. Die Zeit bewegt. Sie bewegt das Mädchen. Und sie weiß, sie ist kein Mädchen mehr. Dieses Mädchen hat zu viel gelebt, um eines zu sein. In ihr findet man keine Unschuld mehr. Sie ist geprägt von Umständen. Welche sie haben sehen lassen. Welche sie haben erleben lassen.
Sie drückt die Zigarette aus. Sieht sich im Spiegel. Es ist nichts wert. Ihre langen Haare. Welche genauso gut kurz sein könnten. Es bedeutet nichts. Nicht für sie.
Ihre Gedanken ziehen nach oben. Sie gehen aus ihrem Körper hinaus. Sie selbst geht aus ihrem Körper heraus. Und sie sieht sich von oben. Sie ist jetzt so weit oben, dass sie sich nicht mehr erkennt. Sodass sie nur noch erahnen kann, welchen Punkt sie gerade darstellt. Auf welchem Fleck ihr sogenanntes Zuhause steckt. In welchem sie ihre Lebenszeit verbringt.
Aber das Leben ist unwirklich. Sie findet den Bezug nicht zum Dasein. Was sie ist. Wer. Und wo. Sie könnte gerade die ganze Welt sein. Alles darstellen.
Sie ist ein Baum, der sich im See badet. Ein Teppich, der ausgelegt wird. Sie ist die Zigarette, die sie so eben ausgedrückt hat.
Kein Gefühl des aufrechten Ganges. Kein Gefühl von Sensibilität. Nichts ist rau. Oder weich. Es ist Gummi. Sie knetet sich selbst. Eine Zeit lang. Eine Weile. Dabei denkt sie, wie lange eine Weile sein kann.
Das Wichtigste, was sie in ihrem Leben lernte ist wohl, dass Zeit relativ ist. Sie selbst ist relativ. Relativ jung. Relativ alt. Relativ mädchenhaft.
Sie hat Angst. Keine Panik. Nur Angst. Aber es ist Betrug. Das weiß sie. Nur ein Trugschluss ihrer Existenz. Denn nichts ist wirklich. Sie selbst am wenigsten.
Leute, die sie sehen, erkennen sie. Etwas Irreales. Etwas stimmt nicht. Etwas ist besonders. Etwas scheint wohl unausgesprochen zu sein. Ihr Blick sagt mehr, als jedes Wort.
In ihr schwinden Träume. Nacht für Nacht. Das, was sich als Kind in ihrer Vorstellung befand, gibt es so nicht mehr. Die Frau, die sie gedacht hat zu werden. Sie ist es nicht. Die Frau, die sie sein sollte. Erwartungen haben sich ergeben. Sie liegen weiß unter ihr begraben. Mit ihren Flügeln deckt sie sich heute noch zu.
In ihrem Blick kann man lesen, dass sie nicht mehr existiert. Sie schwebt. Sie ist nicht da. Obwohl sie gesehen wird.
Leute werden verfolgt von Irritationen, wenn das Mädchen an ihnen vorbei geht. Sie werden sich erinnern. An einen Blick, der wusste. An einen Menschen, der nie geboren wurde. An eine Welt, die verdammt ist, fremd zu sein. Sie werden niemals wissen.Sie werden niemals die Wirklichkeit sehen, die es nicht gibt.
Eine junge Frau.
Sie zündet sich eine Zigarette an. Geht in die Richtung ihrer Schublade. Findet keine Geborgenheit. Sie ist nicht mehr oder weniger als das. Aber auch das ist sie nicht.
Es hat keinen Wert. Werte stehen nebeneinander. Nicht nur in der Unwirklichkeit.
Aber was weiß sie schon. Vielleicht, dass Zeit relativ ist.
Posted: Juli 3rd, 2009
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II
Der Wurm schlängelt seinen Körper nur mit Mühe durch den schmalen Weg, der durch den Wald führt.
Ich sehe ihn kommen. Und ich weiß, er wird mich verschlingen.
Angst, habe ich nicht. Aufregung ist da.
Ich sehe die Nahrungskompanien, die mit mir diesen Weg beschreiten. Durch sie lebt der Wurm. Ohne sie wäre er, einfach gesagt, nicht existent.
Der Sinn unseres Daseins ist, ihn mit Leben zu füllen. Damit er nicht verhungert.
Es ist so weit. Er öffnet seine Poren. Er holt tief Luft. Es bleibt nicht viel Zeit. Er bleibt in Bewegung. Nur ein kurzer Augenblick wartet er, um seine Nahrung zu begutachten.
Wir haben Glück. Wir dürfen alle hinein. All diejenigen, die hier mit mir gewartet haben.
Heute ist es hell. Das ist nicht immer so. Je nachdem, wo man dem Wurm begegnet und in welche Pore man hineinkommt. Manchmal ist es unheimlich dunkel, sodass man nur mit Hilfe von sogenannter Elektrizität einen Weg durch ihn wagen kann.
Aber heute ist es nicht so. Heute hat er mächtigen Hunger. Das erkennt man daran, dass er so viele von uns verschlingt. Aber gewiss ist noch nichts. Eine beträchtliche Anzahl von uns kann noch ausgespuckt werden. Den Grund dafür kenne ich nicht. Vielleicht schmecken wir nicht.
Bisher wurde ich auch früher oder später ausgespuckt. Manchmal direkt als erstes. Dann blieb er einfach stehen und öffnete seine Pore. Nur, um mich dem Wind zu übergeben. Anderen Nahrungsmitteln den Vortritt zu gewähren.
Daher meine Aufregung. Immer aufs Neue. Ob ich wohl dieses Mal schmecke?
Oh, heute hat er sich Bakterien eingefangen. Das habe ich schon einmal gesehen. Ich glaube, es ist eine Art Fieber. Tödlich ist es anscheinend nicht. Aber manchmal kommt eine Truppe herbei. Ich glaube, sie nennt man Immunsystem. Diese Truppe befreit den Wurm innerlich von Dreck und ungewolltem Futter.
Ich bin froh, dass das Immunsystem mir noch nicht gesagt hat, ich sei unerwünscht.
Jetzt gerade schleppen sie auch welche von uns ab.
Der Wurm wird gereinigt. Sodass wir Anderen besser unseren Platz finden können.
Das Immunsystem funktioniert hier als eine Art Vitamin.
Oh halt, nicht! Ich werde ausgespuckt. Ich stecke in einer Welt, die kein Ende zu haben scheint.
Ich erkenne nur Meinesgleichen und sehe dennoch Unterschiede. Diese Unterschiede werden gemacht. Produziert.
Ich werde angestarrt von denen, die das Privileg haben, weiter reisen zu dürfen.
So ziehe ich meine Runden. Als ein undefinierter Organismus.
Immer in der Hoffnung, irgendwo auf einen Wurm zu treffen.
Posted: Juni 29th, 2009
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I.
Ich gehe zur Haltestelle. Viel weniger. Ich trotte. Stehe. Sehe die Leute um mich herum.
Ein Pärchen kommt hinzu. Sie unterhalten sich. Sie kommen an der Haltestelle an. Stellen sich nebeneinander, sodass sie in die Richtung schauen können, aus der das Fahrzeug kommen wird. Beide sagen nichts. Mit ihrem körperlichen Stillstand stoppt auch ihre Kommunikation.
Mir wird klar, was Menschen unter „warten“ verstehen. Irritierend.
Als ich da stehe, merke ich, wie sich gegenseitig die Leute ansehen. Fast, als würden sie sich begutachten. Wer sie auf ihrer Fahrt begleitet.
Die Bahn kommt. Aus der Kurve, die von Bäumen und Gebüsch umgeben ist. Je mehr die Bahn auf ihren Schienen den Weg zu uns findet, desto gespannter werden die Leute und suchen den Platz, der sie durch die Schleuse in die Bahn hinein platziert.
Es ist ein Vordrängeln ohne Motiv.
Ein wenig später, als die Bahn ankommt, wird diese Anspannung fassbar.
Kaum, dass Menschen einen Weg aus der Bahn in die Freiheit finden, drängeln sich andere, ob jung oder alt, und entziehen sich der ihren.
Ein schauderhaftes Erlebnis in der Rolle des Beobachters.
Da nun jeder seinen begehrten Platz gefunden hat, bleibt für mich eine Stange übrig, an der ich mich gerade so mit drei Fingern halten kann, um bei dem Geschubse nicht hin und her zu wanken. Die Luft ist schlecht. Blicke fangen mich.
Ich ignoriere.
Spürbar angespannte Stimmung. Sie wurde von draußen mit hierher geholt.
Menschen, die aus der Arbeit nach Hause wollen. Die von ihrem Vorgesetzten oder Kollegen angepöbelt wurden.
Menschen, die von der Schule ihrem Zuhause mit dem warmen Essen entgegen sehen.
Menschen, die sich gedanklich bereits am Abend bei ihrer Verabredung mit dem Schwarm befinden.
Menschen, die mit der Bahn fahren, um festzustellen, dass sie noch am Leben sind. Oder auch zu erkennen, dass früher alles besser war.
Momente der Erkenntnis.
Wut trifft sich. Blicke ahnen nur, welche Gedanken sich dahinter verbergen. Welchen Weg jeder Einzelne gehen wird.
Ob von dem Mann geschlagen, weil der Rock heute getragen wurde.
Oder von der Frau angeschrien, weil diese sich benachteiligt fühlt.
Morgen die Hochzeit der besten Freundin und man selbst ist allein.
Das größte Schweben über den Leuten, weil man gerade verliebt ist.
Gestern die Trennung des Partners und man wartet nur auf eine Eskalation, um sich Luft zu machen.
Die Blicke mancher Menschen, wenn man in hörbarer Lautstärke telefoniert, Musik hört.
Das Kopfschütteln als Demonstration des Abnormen innerhalb der eigenen Welt.
Blicke auf tiefe Ausschnitte der Frauen. Was hast du, was habe ich. Wie gibst du dich.
Neigungen begegnen sich.
Schwarz, rot, Kleider, Kopftücher, Hüte, Haare, keine Haare.
Tüten, über die man stolpert. Sprachen, die man nie hörte. Augen, die man wieder vergisst.
Dazwischen Bäume, Flüsse, Brücken, die ablenken. Die nach der Freiheit außerhalb der Bahn sehnen lassen.
Gute Tage. Vielleicht ein Lächeln.
Durchatmen.
An dieser Haltestelle steige ich aus.
Posted: Juni 26th, 2009
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“Und ich bin hier.
Und ich weiß nicht, ob ich existiere.
Und ich weiß nicht, ob ich lebe.
Wahrscheinlich lebe ich.
Oder ich bin nur ein Traum.
Vielleicht träumt mich jemand.
Und ich kann nicht existieren.
Vielleicht bin ich das verlorene Wesen in einem Traum,
das verzweifelt und stumm nach Leben schreit.
Mein Bewusstsein ist da.
Hör nicht auf zu träumen.
Dann sterbe ich.
Träume weiter…”
…Überwältigt.
Eine Form der Resignation.
Was passiert mit den Gedanken eines Menschen, nachdem dieser bei einer Explosion zerfetzt wird?
Die Gedanken schwirren willkürlich, zuckend, schwerelos durch die Luft.
Bis sie verdampfen.
Wohin verdampfen sie.
Zu was werden sie?
Ich kann es nicht sehen.
Ich kann es nicht untersuchen.
Darf ich es mit deinen Gedanken testen?
Wer resigniert?
Du oder ich?
Vielleicht beide.
Auf unterschiedliche Weise.
Ich träume schon wieder.
Bin ich bereits aufgewacht?
Was macht mein Kopf?
Was wollen meine Gedanken mit mir treiben?
Ein Spiel.
Vielleicht sind sie gegen mich.
Vielleicht sind sie sogar mein größter Feind.
Stop.
Ich will nichts mit euch zu tun haben.
Ihr macht mich schwach.
Ihr sorgt dafür, dass ich mein Dasein nicht hinnehme.
Irgend etwas stimmt nicht.
Ich durchschaue das.
Ich durchschaue euch.
Halt, halt.
Ich bin nicht die jenige, die träumt.
Ich vergaß.
Du bist es.
Wohin gehen deine Gedanken, nachdem sie ausgedacht wurden.
Bin ich ein Teil dessen?
Vielleicht bin ich ein Partikel deiner Gedanken und versuche zu verwirklichen.
Aber was bin ich wert, wenn ich dich nicht befriedige?
Wohin wirst du mich führen?
Was ist mein Weg?
Ich begreife, dass du mir nicht hilfst.
Ich werde einen Weg aus den Wänden wagen.
Ich werde die Kräfte, die mich nach unten, nach oben und zu den Seiten drücken, bewältigen.
Ja, das werde ich.
Aber sag mir.
Wieviel Zeit habe ich…
Posted: Juni 18th, 2009
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“Und ich bin hier.
Und ich weiß nicht, ob ich existiere.
Und ich weiß nicht, ob ich lebe.
Wahrscheinlich lebe ich.
Oder ich bin nur ein Traum.
Vielleicht träumt mich jemand.
Und ich kann nicht existieren.
Vielleicht bin ich das verlorene Wesen in einem Traum,
das verzweifelt und stumm nach Leben schreit.
Mein Bewusstsein ist da.
Hör nicht auf zu träumen.
Dann sterbe ich.
Träume weiter…”
…Heute, weiß ich, kann ich es schaffen. Ich habe das Leuchten in mir. Ich bin nicht verloren.
Freude ist da. Und bitte, lass mich sagen, Lebensfreude.
Deine Träume erfüllen sich in Leben. Mein Leben bleibt der Traum, den du lebst.
Meine Welt besteht aus deiner Phantasie.
Erhalte sie.
Bitte lösche sie nicht.
Ich bitte dich so kniefällig nicht aufzuhören.
Erweitere mich.
Erlebe mich.
Nimm meine Hand und werfe mich in die Lebendigkeit.
Welchen Beweis brauchst du für mein Bewusstsein?
Und ich schreie so unendlich laut. Wieso hörst du nicht?
Etwas verweigert dir den Zugang zu mir. Weshalb erfüllst du mich nicht?
Eine Existenz in deinem Bewusstsein.
Ich bin es.
Und ich weiß nicht, was ich bin.
Aber ich lebe. Weil ich geträumt werde.
Ich klopfe von jedem Aufwachen aufs Neue. An allem was mich umgibt.
Aber ich werde warten.
Die Ahnung, dass ich irgendwann die Kraft habe, auszubrechen. Oder, dass du mich vielleicht heraus lässt.
Aus Gnade. Resignation. Respekt. Erhabenheit.
Bitte hör nicht auf zu träumen.
Nein, nicht…
Posted: Juni 10th, 2009
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erste Perspektive
Nun liege ich hier. Völlig zerstört. Das Auto so nah, dass ich am Dreck der Reifen erkennen kann, auf welchen Straßen es gefahren sein muss.
Ich liege hier. Ohne Kraft. Mein Körper ist leer. Ist meine Seele schon entwichen? Vielleicht bin ich bereits um einundzwanzig Gramm leichter. Ich weiß es nicht.
Die Menschen sind entsetzt. Rufen irgendwas. Was mich jetzt gerade gar nicht interessiert. Warum sind sie entsetzt? Sollte es auf der Welt nicht Schlimmeres geben in diesem Moment, als ein kraftloses, völlig zerstörtes Mädchen auf der Straße liegen zu sehen? Ich frage mich, sind die Menschen geschockt, weil sie gesehen haben, wie leicht es für ein Auto, welches ebenfalls von einem Menschen gefahren wird, ist, jemanden umzufahren? Wie schnell es hätte sie selbst treffen können? Trifft es sie so sehr, weil sie Angst um ihre Psyche haben? Können sie nach solch einem Anblick normal weiter leben?
Es ist so egal. Ich bin einer von zu vielen Menschen. Die Welt wird sich nicht verändern, wenn ich das überlebe. Die Menschheit geht auch so zugrunde.
Ich könnte versuchen meinen Arm, meine Hand oder meine Beine zu bewegen. aber irgendwie tut es gut hier zu liegen.
Es ist der Wahnsinn, der die Menschenmasse treibt. Der sie dazu bringt ihre Hände aufs Gesicht zu legen vor Fassungslosigkeit.
Ich sehe euch. Ich beobachte euch ganz genau. Warum bemüht ihr euch so sehr mein Leben zu retten? Ich bin euch einen Dreck wert. In einem Jahr würdet ihr mich nicht anrufen, um zu fragen, ob es mir auch gut geht. Warum dann? Für eure eigene Befriedigung? Damit ihr vor jedem anderen behaupten könnt ein guter Mensch zu sein? Aber ihr vergesst etwas. Ihr seid so damit beschäftigt mein Leben zu retten für euer gutes Gewissen, dass ihr nicht einmal fragt, ob ich das will.
Es ist faszinierend. Ich bin in den wahrscheinlich letzten Stunden meines Lebens erstaunt darüber, dass so viele Menschen mit solch einem Interesse und Mitgefühl daran teil haben. Keiner geht weg. Sie sind alle da. Es kommen sogar noch Leute dazu, um zu sehen, wie ein Mädchen stirbt.
Ich frage mich auch, ob es tatsächlich so ist, damit sie am Abend prahlend ihren Bekannten davon erzählen. Oh wow, sie haben was erlebt. Aber was haben sie erlebt?
Der Asphalt einer Autobahn war noch niemals so nah an meinem Auge.
Ich frage mich, können Ameisen weinen?
Das ist die letzte Frage in meinem Leben, die ich der Welt stelle. Kein Sinn des Lebens ist jetzt von Bedeutung. In diesem Moment zählt nichts mehr.Nur dieser Moment.
Nichts bleibt. Außer dieser eine Moment. Zu diesem Zeitpunkt. In diesem Jahrtausend. In dem Jahr, diesem Monat, der Stunde. In diesen Sekunden.
Ich habe es geschafft, dass auf einer Straße, auf der täglich tausend von Autos mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von hundertvierzig Stundenkilometern, plötzlich alles still steht.
Das war ich. Ich habe die Welt verändert. Ein wenig. Für einen unwichtigen Teil der Zeit.
Und das ist meine letzte Erkenntnis.
zweite Perspektive
Sie liegt da. Völlig zerstört. Das fast unbeschadete Auto neben ihr. Sie wirkt nicht schwach. obwohl sie nur da liegt.
Sie ist so unbeschreiblich schön. Ich frage mich, hat sie das verdient? Wer hat sie in der Sekunde aus dem Haus gelassen, sodass sie zur weiteren Sekunde an dieser Autobahn war?
Woher kommt sie? Wohin sollte ihr Weg führen? Was geht ihr gerade durch den Kopf? In ihren wahrscheinlich letzten Minuten.
Ich sehe zum ersten Mal, wie zerbrechlich ein Mensch ist. Wie schnell ein Menschenleben vorbei sein kann.
Und es bleibt nichts.
Genau, wie wenn man eine Ameise platt tritt und sich nicht weiter um sie schert.
Das wird auch früher oder später mit dem hübschen Mädchen passieren.
Ich schließe die Augen. Und danke.. nur dem Zufall, dass ich nicht dort liege.
Hat sie Schmerzen? Sie spricht nicht. Ein junges Mädchen. Noch nicht alles erlebt, was sie womöglich erleben wollte. Was waren ihre Ziele? Hat sie vielleicht so
viel Enttäuschung erfahren müssen, dass sie dem Zufall dankt, diejenige zu sein, die dort liegt?
Die Masse der Leute um sie herum. Es widert mich an. Verschrenkte Arme. Fassungslose Gesichter.
Und morgen lesen die selben Leute bei einer Tasse Kaffee in ihrem behüteten Zuhause über das Unglück und Elend auf der Welt. Irgendeine für sie fremde Welt. Jetzt gerade bekommen sie einen kleinen Geschmack davon.
Sie schütteln die Köpfe. Was soll das? Habt ihr sie gefragt, ob sie eure heuchlerische Hilfe auch möchte? Sie ist euch doch einen Scheißdreck wert.
Ich drehe mich um. Gehe.
Werde in einer Stunde mit einer Flasche Bier bei Kumpels sitzen und die Bilder durch meinen Kopf laufen lassen.
Vielleicht erzähle ich davon. vielleicht aber auch nicht.
Ich drehe mich zurück.
Sie ist wahrscheinlich das schönste Mädchen, das ich je gesehen habe. Ist das der Mitleid? Die Angst um sie? Habe ich Angst?
Morgen oder übermorgen, oder spätestens in ein paar Tagen wird mein größtes Problem darin liegen, meiner Freundin etwas zum Geburtstag zu schenken.
Das widert mich an. Ich widere mich selbst an.
Irgendwie liebe ich sie jetzt nicht mehr.
Ich drehe mich wieder um. Gehe weiter.
Was für ein Tag. Was für ein Erlebnis.
Es hat etwas in mir verändert.
Was will ich?
Das junge Mädchen hat, ohne es zu wissen, mein Leben verändert.
Soll ich hinrennen, über die Absperrung hüpfen, um es ihr zu sagen?
Eine letzte Erkenntnis für sie, dass man doch einen kleinen Teil der Welt verändern kann.
Wie auch immer.
Sie wird es nicht überleben.